Reisezeit, Impfzeit! Neuerungen zu Reiseimpfungen
- Praxis-Strandallee

- 28. Dez. 2025
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 5 Tagen
Quelle: Epidemiologisches Bulletin 14/2025, Stand: 5. April 2025
Dieses Briefing beleuchtet die aktuellen Neuerungen und wichtigen Informationen zu verschiedenen Reiseimpfungen, basierend auf dem vom Robert Koch-Institut im April 2025 aktualisierten Epidemiologischen Bulletin zu Reiseimpfungen. Es werden praxisrelevante Impfungen gegen Krankheiten wie COVID-19, Dengue, Gelbfieber und andere behandelt.
1. Dengue
Verbreitung und Zunahme: Die Mücke Aedes (Ae.) Albopictus ist ein Vektor für die Übertragung des Dengue-Virus. Daten des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) zeigen eine stabile Ausbreitung in 13 EU/EAA-Ländern. In den vergangenen Jahren wurden "autochthone Dengue-Fälle" in Europa, insbesondere in Frankreich, Italien und Spanien, gemeldet. Im Jahr 2024 gab es über 200 autochthone Fälle in Italien und Frankreich. Die Saison für autochthone Übertragungen reicht bis September/Oktober und ist hiermit nicht mehr auf den Sommer begrenzt.
Reisebezug: Das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt Reisrückkehrern aus Dengue-Risikogebieten in deutsche Regionen mit kompetenten Mückenvektoren (Aedes Albopictus) im Sommer und Frühherbst, in den ersten 14 Tagen nach der Reise Mückenschutz anzuwenden, um eine autochthone Übertragung zu verhindern. Dies gilt auch bei Symptomfreiheit.
Impfstoff: Der Impfstoff Qdenga kann gleichzeitig mit Hepatitis A oder Gelbfieber verabreicht werden. Die Verabreichung der ersten Qdenga-Dosis ist auch mit dem Impfstoff gegen humane Papillomviren möglich.
Kontraindikationen: Die Impfung ist in Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert, ebenso bei Personen mit angeborener oder erworbener Immunschwäche.
Sicherheitsdaten: Neue Daten zur Sicherheit liegen vor. In Brasilien wurden von März 2023 bis September 2024 3.404.877 Dosen verimpft. 501 Personen hatten eine Überempfindlichkeitsreaktion, davon 124 Fälle von Anaphylaxie.
Anaphylaxie-Management: Das Global Advisory Committee on Vaccine Safety empfiehlt, eine mögliche Anaphylaxie zu erkennen und angemessen zu behandeln. Dies beinhaltet die Bereitstellung von Medikamenten nach der Impfung (mindestens 30 Minuten) und eine sofortige Beratung durch medizinisches Personal, falls sich eine Anaphylaxie entwickelt.
2. Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und verwandte Virusenzephalitiden
Impfung außerhalb der Zeckensaison: Konventionelle Schemata sind bei einer Impfung außerhalb der Zeckensaison zu bevorzugen. Das gilt auch, wenn eine Reise in ein Endemiegebiet geplant ist und genügend Zeit für die Impfung bleibt.
Auffrischimpfungen: Drei bis fünf Jahre nach der Grundimmunisierung werden Auffrischimpfungen empfohlen. Der Impfschutz hält aber länger an; in anderen Ländern liegen die Abstände altersunabhängig über zehn Jahre.
3. Hepatitis A
Inzidenz in Deutschland: Im Jahr 2023 wurden 859 Fälle von Hepatitis A gemeldet (Inzidenz: 1,03/100.000 Einwohner/Jahr), gegenüber 707 im Jahr zuvor. Die Erkrankungen waren wahrscheinlich auf Infektionsketten zurückzuführen, 396 davon entfielen auf Deutschland.
Reisebezug: Die häufigsten Infektionsländer bei Reisenden waren Indien, Ägypten und Pakistan (jeweils 18 Nennungen), Marokko (16) und Syrien (zehn). Die höchste Inzidenz gab es in der Gruppe der Fünf- bis 29-Jährigen und bei den über 70-Jährigen.
Risiko: Das Risiko einer Infektion beträgt laut STIKO 2,56 symptomatische Hepatitis A-Infektionen pro 100.000 Reisen bei Ungeimpften. Das Risiko für eine Hepatitis A-Infektion bleibt insgesamt gering. Mit Ausbruchsrisiken sollte in endemischen Ländern aber gerechnet werden.
4. Japanische Enzephalitis
Impfstoff: Zugelassen ist der inaktivierte adjuvante Impfstoff IXIARO®. Die Impfserie sollte laut STIKO vor der Abreise abgeschlossen sein. Der Totimpfstoff lässt sich nämlich nicht mit einem lebens-attenuierten Impfstoff kombinieren, der zum Teilen einigen Endemie-Ländern angewendet wird.
5. COVID-19
Schwangerschaft: Schwangere sollten erst ab dem zweiten Trimenon geimpft werden. Die COVID-19-Impfung erfolgt nach den empfohlenen Empfehlungen der WHO.
6. Poliomyelitis (Polio)
Impfstoffe: Zugelassen sind Imovax (Polio), IPV Merieux® (monovalent), Kombinationen (Hexyon®, Boostrix Polio, Infanrix hexa, Infanrix-IPV+Hib, Pentavac®, Repevax®, Revaxis® und Vaxelis®).
Aktuelle Länder mit zirkulierenden Viren (cVDPV2): Seit 2022 ist cVDPV2 in mehr europäischen Ländern aufgetreten, darunter Österreich, Israel, Belgien, Vereinigtes Königreich.
Reiseempfehlung: Das RKI empfiehlt bei Reisen aus Deutschland, die keine Auffrischimpfung erfordern, keine sofortige Auffrischimpfung. Reisende in ein Land der Kategorie 2 (mit einer Nachweisaktivität lokaler cVDPV2-Übertragung) sollten mindestens vier Wochen vor der Abreise eine Poliomyelitis-Impfung erhalten.
Kategorie 1 Länder (mit Zirkulation): Afghanistan, Äthiopien, Benin, Demokratische Republik Kongo, Guinea, Liberia, Malawi, Mosambik, Niger, Nigeria, Pakistan, Senegal, Sierra Leone, Somalia, Sudan, Südsudan, Tschad und Uganda.
Kategorie 2 Länder (ohne lokale Übertragung): Staaten mit lokaler Übertragung von cVDPV2, aber mit geringem Risiko einer internationalen Ausbreitung.
Reisende: Alle Einwohner von Ländern der zweiten Kategorie und Personen, die aus diesen Ländern in der letzten Zeit gereist sind, sollten mindestens einmal eine Auffrischimpfung erhalten, wenn die letzte Dosis länger als ein Jahr her ist.
Einreisebestimmungen: Bei Auslandsreisen und der Rückkehr nach Deutschland sollte geprüft werden, ob die Regionen als endemisch oder wiederbefallen gelten. Es wird empfohlen, den Impfschutz zu überprüfen und gegebenenfalls aufzufrischen.
7. Influenza
WHO-Empfehlung: Im September 2023 empfahl die WHO trivvalente bis quadrivalente Influenza-Impfstoffe. Die STIKO hat ihre Empfehlung angepasst und empfiehlt die Gabe von inaktivierten Influenza-Impfstoffen oder attenuierte Influenza-Lebendimpfstoffen, mit der jeweils von der WHO empfohlenen Antikörperkombination.
Schwangerschaft: Der attenuierte Influenza-Impfstoff sollte weder in der Schwangerschaft noch in der Stillzeit angewendet werden.
8. Respiratorisches Synzytial-Virus (RSV)
Impfung: Regelrechte Impfung gemäß Empfehlung für alte Personen über 75 Jahre sowie für Personen zwischen 60 und 74 Jahren, die eine schwere Form einer bestimmten Grunderkrankung haben.
Mütterliche Impfung: Eine mütterliche Impfung gegen das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) ist eine weitere wichtige Empfehlung. Die STIKO will die Daten sichten, aber unabhängig von Reisen.
9. Typhus und Paratyphus
Impfstoffe in Deutschland: Zwei monovalente Impfstoffe sind in Deutschland zugelassen. Allerdings empfiehlt die WHO Typhus-Konjugatimpfstoffe in mausendem Ländern, die wirksamer sind als die in Deutschland verfügbaren Vakzine. Typhus-Konjugatimpfstoffe sind derzeit in Deutschland aber nicht zugelassen und auch nicht erhältlich.
10. Meningokokken
Impfstoffe: Gegen die Meningokokken-Serotypen ABCWY beziehungsweise ACWYX gerichtete pentavalente Vakzine kommen bereits in mehreren Ländern zum Einsatz.
Schwangerschaft und Stillzeit: Für die beiden Impfstoffe Bessero und Trumenba® liegen zur Anwendung während der Schwangerschaft und Stillzeit keine ausreichenden klinischen Daten vor.
Indikation: Eine Grundimpfung wird empfohlen, wenn ein dauerhaftes Risiko einer Meningokokken-Infektion besteht. Die Impfstoffe sind nur zu geben, wenn der mögliche Nutzen gegenüber dem potenziellen Risiko überwiegt.
Sekundenzelle und Jugendliche: Ab zwei Jahren und Jugendlichen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge einer Grunderkrankung wird eine Pneumokokken-Impfung empfohlen.
Pneumokokken-Impfung: Konkret wird eine erste Impfung mit dem 13- oder 20-valenten Konjugatimpfstoff (PCV13 oder PCV20) empfohlen, gefolgt von einer Auffrischung mit dem 23-valenten Pneumokokken-Polysaccharidimpfstoff (PPSV23) nach sechs bis zwölf Monaten.
Indikationsstellung: Laut epidemiologischen Daten ist die Indikationsstellung gegen Pneumokokken bei Reisen besonders wichtig. Grund dafür ist, dass sich Infektionen im Ausland oft durch eine erhöhte Antibiotikaresistenz auszeichnen.
11. Gelbfieber
Aktuelle Lage: Am 3. Februar 2025 veröffentlichte die panamerikanische Gesundheitsorganisation eine Warnung. Die Zahl der bestätigten Gelbfieber-Fälle war in mehreren Ländern der WHO-Region Lateinamerika gestiegen. In den 61 Fällen, die 2024 gemeldet wurden, gab es teilweise Angaben zum Impfstatus.
Fallstudien: In 15 Fällen war eine vorhergehende Impfung festgestellt. Für drei Personen wurden Daten bezüglich der Zeit zwischen Impfung und Infektion zur Verfügung. In allen Fällen waren mehr als zehn Jahre vergangen – ein möglicher Hinweis, dass eine Dosis nicht immer einen lebenslangen Schutz bietet, was die Empfehlung der STIKO zur Auffrischung stützt.
Impfstoff-Nebenwirkungen: Die Gelbfieber-Vakzine-assoziierte neurologische Erkrankung (YEL-AND) und die Gelbfieber-Vakzine-assoziierte viszerale Erkrankung (YEL-AVD) sind zwar sehr seltene, aber schwere unerwünschte Arzneimittelnebenwirkungen. Letztere entspricht klinisch einer Gelbfieber-Infektion und wurde bei 0,3-0,5/100.000 verabreichten Impfstoffdosen beobachtet. Je nach Quelle beträgt die Melderate für YEL-AND 0,5-1,1/100.000 Impfstoffdosen.
Kontraindikationen: Eine Immunsuppressionstherapie oder jedweder Transplantation stellen Kontraindikationen dar. Patienten nach Reisen in Gelbfieber-Endemiegebiete sollten immer, insbesondere wenn sie aus Endemiegebieten stammen, in ihr Heimatland reisen müssen. Mit einem Mindestabstand von vier Wochen vor Einleitung einer immunsuppressiven Therapie oder Organtransplantation können – wenn weitere Kontraindikationen fehlen – gegen Gelbfieber geimpft werden.
STIKO-Empfehlung: Laut STIKO sollte der Abstand zu einer autologen Stammzelltransplantation mindestens drei Monate betragen.
12. Tollwut
Impfstoffe: Zugelassen sind Rabipur und Verorab®.
Postexpositionelle Prophylaxe (PEP): In der Fachinformation sind die Angaben zur Auffrischimpfung bei Anwendung des konventionellen Schemas unterschiedlich. Wann die Auffrischungen im Zuge der Dosispräparata erfolgen sollen, wurde nicht festgelegt. Laut STIKO besteht eine Grundimmunisierung, bestehend aus drei Dosen, eine ausreichende Boostertätigkeit bei immun-kompetenten Reisenden.
Präexpositionelle Prophylaxe (PrEP): Eine PrEP bei Exposition, reicht die Durchführung einer Postexpositionsprophylaxe (PEP) mit drei Dosen an Tag 0, 3 und 7 aus. Nicht empfohlen werden routinemäßige serologische Kontrollen bei Reisenden.
Geografische Verbreitung: Fast alle humanen Tollwutfälle (99 Prozent) werden durch Hunde übertragen. In vielen Ländern Südamerikas, Nordamerikas und Australiens wird das Risiko durch eine Fledermaus-Tollwutstunde als gering eingeschätzt und es wird keine generelle PrEP empfohlen.
Impfzeitpunkte: Bei jeder Exposition gegenüber potenziell tollwütigen Tieren muss auch wenn eine vollständige PrEP vorliegt, eine PEP erfolgen, einschließlich der konventionellen Expositionspfad II.
Immunitätsdauer: Die Inkubationszeiten der Tollwut sind lang, daher kann die PEP auch noch Monate und Monate nach der Exposition sinnvoll sein.
13. Seltenere Impfungen
Malaria tropica: Im September 2022 wurde MOSQUIRIX (RTS,S) für Säuglinge und Kleinkinder zugelassen. Ende 2023 folgte der R21/Matrix-M-Impfstoff für Kinder in malaria-endemischen Ländern. Beide Impfstoffe werden von der WHO als 4-Dosis-Impfstoffe für Kinder ab etwa fünf Monaten empfohlen. Die Vakzinen stehen für Reisende nicht zur Verfügung.
Chikungunya: Der attenuierte Lebendimpfstoff Ischiq wurde im Juni 2024 von der EMA zugelassen. Im Februar 2025 folgte der Totimpfstoff Vixunguya. Zurzeit werden die Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit der neuen Vakzinen geprüft. Eine Empfehlung wird im Juni 2025 erwartet.
Mpox: In Deutschland zugelassen ist Imvanex, ein attenuierter Lebendimpfstoff, der auch als immundepressiven Menschen eingesetzt werden kann. Die Impfung wird weiterhin nicht als Reiseimpfung empfohlen, da Reisen nur als geringes Risiko für eine Infektion darstellen. Es sollte aber im Rahmen einer segmentierten Impfberatung geprüft werden, ob die Kriterien für eine Indikationsstellung für eine Impfung gegen Mpox erfüllt sind.
Relevante Impfindikationen: Exposition aufgrund beruflicher Tätigkeiten mit engem/anhaltendem Kontakt zu Lokalbevölkerung in den betroffenen Gebieten (z. B. Katastrophengebiete, medizinische Nothilfe).
Je nach Exposition: Reisen zu Freunden und Verwandten.
Ärztliche Beratung: Ärzte sollten die individuelle Situation der Reisenden einschätzen und zusammen mit ihnen die Impfung diskutieren.
Fazit:
Das Epidemiologische Bulletin 14/2025 des Robert Koch-Instituts aktualisiert wichtige Empfehlungen zu Reiseimpfungen und betont die Notwendigkeit, sich vor Reisen umfassend über aktuelle Risikogebiete und Impfempfehlungen zu informieren. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei aufkommenden Krankheiten wie Dengue und Mpox, sowie der kontinuierlichen Anpassung der Impfschemata für etablierte Krankheiten wie FSME und Polio. Die individuelle Risikobewertung und ärztliche Beratung sind dabei entscheidend.












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